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MAIN-SPITZE / LOKALES / GINSHEIM-GUSTAVSBURG / 28. 03. 2015
"Slowboy" fegt über die Bühne der Gustavsburger "Burg-Lichtspiele"

Von Ulrich von Mengden

GUSTAVSBURG - In der Reihe "Jazz im Kino" gastierte am Donnerstag das Trio "Slowboy" in den "Burg-Lichtspielen". Längst haben diese regelmäßigen Jazzkonzerte, die von Sarah Wendel und Sebastian Laverny organisiert werden, ihr Stammpublikum gefunden. Fast alle Plätze waren besetzt. Und die erwartungsvollen Jazz-Liebhaber kamen schon nach den ersten Takten aus dem Staunen nicht heraus. Der Bandname "Slowboy" entpuppte sich nämlich als reine Ironie. Die drei Boys aus Berlin, die auf der bunt illuminierten Bühne loslegten, waren nämlich alles andere als langsam.

 

Irrwitziges Tempo

Wolfgang Roggenkamp an der im Gustavsburger Kino noch nie gehörten Hammond-Orgel fegte wie ein Wirbelwind über die Tasten. Kay Lübke entfachte einen Orkan an seinem Schlagzeug und Saxofonist Jan von Klewitz passte sich dem irrwitzigen Tempo durch kraftvollen Bläser-Akrobatik an. Ein richtig fetter, groovender Sound legte sich von der ersten Minute an über das faszinierte Auditorium.

"Bouncing" hieß der erste Titel von Wolfgang Roggenkamp, der von Haus aus eigentlich Schlagzeuger ist, aber seine große Liebe zur Hammond-Orgel entdeckt hat. Seine virtuosen Fähigkeiten auf diesem wuchtigen Organ brachten ihn immer wieder mit weltbekannten Musikern zusammen, mit denen der ehemalige Gewinner von "Jugend musiziert" über den Globus tourte.

 

Mit "True reflections" zeigte er weiter seine kompositorischen Fähigkeiten. Natürlich konnte er dabei auf der Orgel alle Register ziehen und ein packendes Klanggestöber entfachen. Wie eine schwere Lokomotive geriet das Trio immer mehr unter Dampf, entfachte staunend machenden Druck oder endete in einem donnernd kakofonischen Finale. Frontmann Jan von Klewitz, wie seine Kollegen an renommierten Musikhochschulen ausgebildet, nahm die Klangkulisse gerne auf und ließ sich von der Interaktion und Spielfreude anstecken, in dem er ebenso gewagte wie gekonnte Ausflüge mit dem Saxofon zelebrierte. Während er schon nach wenigen Stücken schweißüberströmt das Jackett auszog, war Kay Lübke am Schlagzeug der Mann, der nie transpiriert. Mit stoischer Ruhe zauberte er komplizierteste Rhythmen auf seine Trommeln. Sein Schlagwerk ließ er zu wuchtiger Monumentalität anschwellen oder arbeitete in den balladenhaften Titeln mit ganz feinem Besteck.

Alle drei Virtuosen steuerten Eigenkompositionen bei, mit denen sich das atemlos machende Programm speiste. Das Trio "Slowboy" entfachte kraftvollen, lautstarken, entfesselnden Klang, verstand sich aber ebenso auf die zarte, leise, atmosphärisch dichte Diktion. Im Titel "Schlaflos" wurden die Zuhörer lautmalerisch zu den akustischen Preziosen der Nacht geführt. Da ließ die Hektik des Tages nach, das Tempo verlangsamte sich, die Geräusche packten sich in Watte. Die Hammond-Orgel wandelte sich zur Mundharmonika und ein romantisierender Bar-Sound legte sich über die Kinositze. Aber im nächsten Augenblick heizten die "Slowboys" wieder los als wollten sie ihre Instrumente auseinandernehmen. Ein großartiger Abend.


ECHO online / Lokales / Kreis Gross-gerau / Ginsheim Gustavsburg / 28. 03. 2015

Drei Volldampf-Musiker für ein jazziges Hallelujah

Von Jan Stich

GUSTAVSBURG - Konzert – Das Trio „Slowboy“ legt in den Burg-Lichtspielen einen mitreißenden Auftritt hin – Gewaltiger Groove


Beim „Jazz im Kino“ spielte Donnerstagabend das Berliner Trio „Slowboy“. Mit einer echten B3-Hammondorgel und viel Groove begeisterten die Musiker ihr Publikum.


Eine Band mit Orgel erkennt man in der Regel ja schon am Lieferwagen vorm Veranstaltungsort. Und so stand auch am Donnerstagabend vor den Burg Lichtspielen ein großer weißer Transporter. So eine komplette Hammond-Orgel mit Bank – und nicht weniger hatten Slowboy mitgebracht – wiegt fast 200 Kilogramm.


Das Instrument war eigentlich nie zum Transport gedacht, sondern wurde für Kirchen als kostengünstige Alternative zu einer richtigen Orgel entwickelt. Von vorne erinnert es optisch auch eher an einen wuchtigen Schreibtisch als an ein Musikinstrument. Doch schnell entdeckten die Blueser, Jazzer und später auch die Rocker, dass dieses Instrument eigentlich viel zu schade ist, um darauf nur „Halleluja“ und „Ave Maria“ zu spielen.

Aber mit der Orgel war die Schlepperei noch nicht fertig, zusätzlich hatte die Band nämlich einen echten Leslie-Rotary-Lautsprecher im Gepäck. Diese bis zu 80 Kilo schweren Lautsprecher haben einen ganz besonderen, drehenden Klang, weil der Lautsprecher im Innern der Kiste tatsächlich kreisrund rotiert. In der Regel wird dieser Effekt heute einfach an Computern nachprogrammiert, aber bei Slowboy gab es das Original zu hören, und allein das war schon mal ein besonderes Ereignis.


Aber natürlich gab das Berliner Trio keine Gerätevorführung, sondern spielte ein Jazzkonzert. Vom ersten Song an begeisterte die Gruppe ihr Publikum mit gewaltigem Groove und Timing. Während Organist Wolfgang Roggenkamp und Schlagzeuger Kay Lübke gemütlich hinter ihren Instrumenten saßen, tänzelte der drahtige Saxofonist Jan von Klewitz leichtfüßig über die Bühne und gab zu seinen virtuosen Saxofon-Soli eine Performance, bei der er das Instrument hin und her riss, weit über den Kopf hob wenn er einen langen Ton hielt und tief unter die Knie sinken ließ, wenn es richtig abging.

Das sphärische Intro des Stückes „Neils Armstrong“, dem ersten Mann auf dem Mond gewidmet, gehörte zu den wenigen, ruhigen Momenten, ansonsten gab die Gruppe fast permanent Vollgas. Roggenkamp war die Begeisterung über die gemeinsam gespielte Musik deutlich anzusehen. Breit grinsend schunkelte er den ganzen Abend hinter seiner Orgel hin und her und holte von bluesig bis funky fast alle Sounds aus dem Instrument, für die die wuchtige B3-Orgel berühmt geworden ist. Bei der enormen Bandbreite fehlte eigentlich nur noch Hard-Rock-Georgel à la Deep Purple, aber das dürfte an diesem Abend wohl niemand vermisst haben.


Als Überraschungsgast holte die Band in ihrem zweiten Set den Frankfurter Gitarristen Martin Lejeune mit auf die Bühne. Gemeinsam spielten sie zuerst ein von Roggenkamp komponiertes „Tribut an Larry Goldings“. Das Stück begann als langsamer Blues, der bei den Soli von Lejeune und von Klewitz dann noch ordentlich Feuer fing. Als zweites gemeinsames Lied spielte die Band nämlich den Miles-Davis-Standard „Milestones“, und da war die Gruppe mit Gast schon wieder in ihrem üblich hohen Betriebstempo.


Gerald Stütz, der Drummer aus Sebastian Lavernys Jazzquartett, hatte die Berliner nach Gustavsburg eingeladen. Roggenkamp bedankte sich artig dafür und lobte die Atmosphäre der Burg-Lichtspiele: „Das macht wirklich Spaß, hier zu spielen.“ Der „Jazz im Kino“ war an diesem Abend ausnahmsweise mal nicht ausverkauft, doch gut gefüllt. Und die Gäste, die da waren, feierten die Musiker begeistert und ließen sie selbstverständlich nicht ohne Zugabe nach Hause. Da hatte sich die Schlepperei wohl gelohnt.


BNN_12.11.2014_Kultur KA_Seite 25_Slowboy im Jazzclub

Brodelnd wie Dampfkochtöpfe

Berliner Band Slowboy mit Karlsruher Drummer Kay Lübke bei Jazzclub-Heimspiel von Jehs Wehn

Eine ordentliche Portion Groove verbreiteten die Musiker von Slowboy bei ihrem Konzert in der alten Hackerei. Dorthin hatte der Jazzclub zum Heimspiel geladen. Die Gruppe Slowboy kommt zwar aus Berlin, ihr Drummer jedoch, der famose Kay Lübke, ist Karlsruher. 1998 verschlug es ihn in die Hauptstadt. Dort studierte er an der Hanns-Eisler-Musikhochschule und ist mittlerweile ein ziemlich gefragter Drummer geworden, der in diversen Formationen seine Sticks wirbeln lässt.

Neben Lübke spielen in Slowboy die nicht minder gefragten Musiker Jan von Klewitz am Saxofon und Wolfgang Roggenkamp an der B3. Der legendäre Sound dieser Orgel hat es Lübke angetan. Dieses Instrument ist auch der Grund, warum die Combo auf einen Bassisten verzichten kann, denn Roggenkamp ist nicht einfach ein Keyboarder der die Tasten drückt, sondern eben ein echter Organist, der auch die Pedale zu treten weiß und so den Bass gleich mitliefert.

Rasant war schon der Einstieg. Nummern wie "Neill Armstrong" oder "Heute jedoch nicht" – der ganze Abend wurde mit Eigenkompositionen bestritten – zeigten sofort, wohin die musikalische Reise gehen sollte. Treibende Rhythmen machten die Nummern zu kleinen Dampfkochtöpfen, in denen es brodelte. Es passte wirklich gut zusammen, das Schlagzugspiel Lübkes, das mit überraschenden Breaks den Stücken immer wieder eine andere Richtung vorgab, Breaks, die ins musikalische Geschehen mitunter dreinschlugen wie eine Axt auf den Block und dazu das scharfkantige, sich an Hardbop und Soul orientierende Saxofonspiel von Klewitz, das aufallend unsanft ist, aber an dem sich der Klang von Roggenkamps Orgel wunderbar reiben kann. Die B3 kann zwar je nach Registrierung auch messerscharf klingen, setzt aber der Rauheit des Saxofons oft einen an Gospels erinnernden eher fülligen Sound entgegen.

Manchmal klingt die Musik wie in längst vergangene musikalische Zeiten zurückgreifend, erinnert an Gottesdienst und Rhythm 'n' Blues, das sind aber nur Momente, schnell ist der Sound wieder im Hier und Heute. Selbst zum Schluss, als man sich am Stil einer Marching-Band orientiert, lässt die Band keine Zweifel an ihrer Aktualität aufkommen. Tradition und Gegenwart gingen hier eine interessante Symbiose ein. Doch, Kay Lübke und Slowboy dürfen gerne wiederkommen.